Weltethos-Schule

 

Die Städt. Sekundarschule Ahlen ist ein Ort des Gemeinsamen Lernens: Alle Kinder der Stadt Ahlen werden unabhängig von ihrer Begabung, ihrer Herkunft, eines sonderpädagogischen Förderbedarfs oder einer evtl. Einschränkung an unserer Schule unterrichtet.

Viele Schülerinnen und Schüler haben – unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit – einen Migrationshintergrund.

Des Weiteren gibt es, bedingt durch die aktuelle politische Lage, eine wachsende Zahl von Flüchtlingen, die in die Klassen integriert werden.

Deshalb ist unsere Schule eine Schule der Vielfalt!

Unsere Schule ist der Weltethos-Idee und den damit verbundenen Zielen verpflichtet.

Sämtliche schulische Mitwirkungsgremien haben deshalb die Bewerbung um eine Auszeichnung als Weltethos-Schule unterstützt.

Am 14.11.2015 stellten Schulleiter Ulrich Vornholt und die Lehrerinnen Katrin Mohnke und Tatjana Schumacher das Konzept bei einem Treffen der Weltethos-Schulen in Tübingen vor.

Unsere Bewerbung war erfolgreich. Am 16.12.2015 wurde die Sekundarschule von Dr. Stephan Schlensog in einem Festakt ausgezeichnet. Ein Bericht darüber ist hier zu finden. Auch die Ahlener Zeitung berichete!


Das Fach Praktische Philosophie

Die Fachgruppe Praktische Philosophie besteht aus elf Lehrkräften, die in den Jahrgängen 5-8 jeweils zwei Unterrichtsstunden/Woche eingesetzt sind.

Der Unterricht im Fach Praktische Philosophie richtet sich gemäß § 37 des Schulgesetzes für das Land Nordrhein-Westfalen an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen.

Praktische Philosophie trägt zum Bildungsauftrag der Schule bei, der die persönliche, soziale und politische Bildung der Schülerinnen und Schüler umfasst.

Das Fach fördert die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit zu sozialer Verantwortung, zur Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft, zur Orientierung an Grundwerten, zur kulturellen Mitgestaltung sowie zu verantwortlicher Tätigkeit in der Berufs- und Arbeitswelt.

Unsere Gesellschaft ist gekennzeichnet durch eine Pluralisierung der Lebensformen, der sozialen Beziehungen und der Wertvorstellungen sowie durch das Zusammenleben von Menschen verschiedener Ethnien und Kulturen mit unterschiedlichen religiösen Vorstellungen und Weltanschauungen. Unübersichtlichkeiten in der Berufs- und Freizeitwelt erschweren die Besinnung auf zentrale Lebenswerte und eine Auseinandersetzung damit.

Zentrales Anliegen des Faches ist es, zur Entwicklung von Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern beizutragen, die sie befähigen, die Wirklichkeit differenziert wahrzunehmen und sich systematisch mit Sinn- und Wertefragen auseinanderzusetzen, sie bei der Suche nach Antworten auf die Frage nach dem Sinn menschlicher Existenz anzuwenden und in einer demokratischen Gesellschaft selbstbestimmt, verantwortungsbewusst und tolerant zu leben.

Die Schülerinnen und Schüler entwickeln dazu Empathiefähigkeit und gelangen zu einem Wert- und Selbstbewusstsein, das verantwortliches Handeln begründet.

Im Unterricht sollen durch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Ideen, Wertvorstellungen und Normen Kriterien für deren Beurteilung erarbeitet und die eigene Reflexions- und Urteilsfähigkeit gefördert werden. Das Verständnis für weltanschauliche, religiöse und ideengeschichtliche Positionen ist Grundlage für interkulturelle und intrakulturelle Toleranz und ermöglicht kognitive, emotionale und soziale Orientierungen. Dabei geht es nicht nur darum, Unterschiede kennenzulernen und zu akzeptieren, sondern auch Gemeinsamkeiten zu finden, die die Menschen als soziale Wesen verbinden.

Das Fach Praktische Philosophie ist auf die zusammenhängende Behandlung von Sinn- und Wertefragen gerichtet. Während dies im Religionsunterricht auf der Grundlage eines bestimmten Bekenntnisses geschieht, übernimmt Praktische Philosophie diese Aufgabe auf der Grundlage einer argumentativ-diskursiven Reflexion im Sinne einer sittlich-moralischen Orientierung ohne eine exklusive Bindung an eine bestimmte Religion oder Weltanschauung. Bezugspunkt für die Ausrichtung des Faches ist die Werteordnung, wie sie in der Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen, im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und in den Menschenrechten verankert ist.

Warum Weltethos an der Städt. Sekundarschule Ahlen?

Vor dem Hintergrund unserer multikulturellen Schülerschaft ist es wichtig, das Prinzip der Gleichbehandlung und Gleichberechtigung in der Idee Weltethos zu leben.

Für die Schülerinnen und Schüler sind die zugrunde gelegten Werte eine Hilfe, da sie den Heranwachsenden eine Orientierung geben und bei der Persönlichkeitsentwicklung unterstützen.

Die Prinzipien und Werte, die die Stiftung Weltethos auszeichnen, sind maßgebend für ein respektvolles und sinnstiftendes Miteinander, die neben dem Praktische-Philosophie-Unterricht auch in anderen Fächern wie insgesamt im außerunterrichtlichen Raum umzusetzen sind.

Dieses ist nicht nur für ein friedliches Zusammenleben in der Schule wichtig, sondern für eine konstruktive gesellschaftliche Teilhabe über die Schulgrenzen und die Schulzeit hinaus.

Aus diesem Grund liegt uns das Projekt Weltethos sehr am Herzen. Die Fachschaften Praktische Philosophie und Religion haben sich deshalb einstimmig für die Teilnahme entschieden.

In der Folge wurde diese Entscheidung sowohl in der Lehrerkonferenz als auch in der Schulpflegschaft sowie in der Schulkonferenz bestätigt und beschlossen, sich um den Titel einer Weltethos-Schule zu bewerben.

Der Beschluss, dass sich die Städt. Sekundarschule auf den Titel einer Weltethos-Schule bewirbt, wurde somit unter Einbeziehung sämtlicher schulischer Mitwirkungsgremien herbeigeführt.

Unsere Schule ist auf dem Weg

  1. Der schulinterne Lehrplan Praktische Philosophie hat das Projekt Weltethos aufgenommen. Die Werte, die der Idee zugrunde liegen, spielen bei der Unterrichtsplanung jahrgangsstufen- und themenübergreifend eine wichtige Rolle. Die drei monotheistischen Weltreligionen werden beispielsweise in der Jahrgangsstufe 6 thematisch behandelt. Hierbei geht es um Grundlagen und Gemeinsamkeiten der drei Weltreligionen. Den Schülerinnen und Schülern ist es hier ein besonderes Anliegen, über ihre Religion (Islam) und die dazugehörigen Feste zu berichten. Gleichzeitig hatten sie zunächst Berührungsängste, sich mit dem Judentum und dem Christentum auseinanderzusetzen. Mit wachsendem Wissen und Schritt für Schritt verringerte sich das Unbehagen, was schließlich in einem Erstaunen mündete:

Es gibt Gemeinsamkeiten, die unsere Religionen verbinden und jede dieser drei Religionen verfolgt das Prinzip der Menschlichkeit.

Die Themen „Begegnung mit dem Fremden“ und „Ethische Grundsätze in den Religionen“ ermöglichen die explizite Thematisierung der Weltethosidee, so wir beispielsweise auch das Parlament der Weltreligionen in Klasse 8 behandelt.

  1. Die Materialien der Stiftung Weltethos sind bereits zum Teil vorhanden und werden im Unterricht eingesetzt.

  2. Jährlich finden an unserer Schule Projekttage statt. Diese liefen bisher unter dem Motto „Vielfalt (er)leben“. Während dieser Projekttage wurden bislang Themen wie „Kinder dieser Welt“, „Armut-Reichtum“, „Märchen aus aller Welt“, „Faire Arbeitsbedingungen – der Welt der Jeans“, „Anders sein und doch nicht anders – Leben mit Behinderungen“ behandelt. Hierbei geht es darum den eigenen Horizont zu erweitern und den Blick für eine globale Welt zu öffnen.

Aufgrund der interkulturellen und religiösen Vielfalt der Schülerschaft entstand in der Klasse 7e die Idee, sich über verschiedene Glaubenseinrichtungen zu informieren, umfangreichere Recherchen anzustellen und im Anschluss diese Glaubenseinrichtungen zu besuchen.

Mit ihrer Klassenlehrerin Emine Karataş und ihrem Klassenlehrer Ralf Koßmann wählten die Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Glaubenseinrichtungen, die im gesamten Stadtgebiet Ahlens verteilt sind. Dazu zählten die Pauluskirche, die St.-Marien-Kirche, die Bartholomäuskirche, die aramäische St. Georg-Kirche und die Ulu Moschee.

Bei der Besichtigung der christlichen Kirchen wurde die Führung zunächst von den Klassenlehrern übernommen, während in der Ulu Moschee die Führung durch den Imam und einem Vorstandsmitglied durchgeführt wurde.

Nachdem die Schülerinnen und Schüler Informationen zu den verschiedenen Glaubenseinrichtungen gesammelt hatten, wurden diese auf Plakaten festgehalten. Ihre Ergebnisse präsentierten sie zum Abschluss der Projekttage einer anderen Klasse des siebten Jahrgangs.

  1. In zwei Unterrichtsstunden/Woche durchlaufen die Klassen 5 in ihrem so genannten „Projektunterricht“
    unterschiedliche Module, die über die eigentliche Stundentafel hinausgehen. Dazu zählt u. a. das Modul „Soziales Lernen“, das durch den Schulsozialarbeiter durchgeführt wird. Ein wesentlicher Baustein in diesem Lernfeld ist die Entwicklung und das Praktizieren von Zivilcourage.
  2. Ausbildung von Schülerinnen und Schülern zu „Buddys“: Streitschlichter-, Schülerbücherei-, Bibliothek-, Pausen- und ab Schuljahr 2015/16 die Sanitäter- und Sporthelferbuddys werden an unserer Schule ausgebildet. Bei dem Buddygedanken geht es darum, den Schülerinnen und Schülern einen respektvollen und verantwortungsvollen Umgang miteinander nahezubringen und sich gegenseitig zu helfen (Schüler helfen Schülern). Darüber hinaus sollen Kinder und Jugendliche erlernen, Verantwortung zu übernehmen.

Die Schülerinnen und Schüler müssen sich für das Amt eines „Buddys“ bewerben, was sie mit hohem Engagement tun.

In den Blick genommen wird über die o. g. Buddy-Projekte hinaus die Bildung einer Gruppe von Kindern, die sich insbesondere um die so genannten „Seiteneinsteiger“ bemühen. Dabei handelt es sich um Migrantenkinder ohne Deutschkenntnisse, die entweder aus Krisen- bzw. Kriegsgebieten als Flüchtlingskinder oder aus Osteuropa als Kinder von Arbeitsimmigranten nach Deutschland gekommen sind. Es ist somit schulische Aufgabe und Herausforderung, diese Kinder in das schulische Leben zu integrieren und im Besonderen ihnen Sprachkenntnisse zu vermitteln. Die in diesem Feld tätigen Buddys übernehmen für die Seiteneinsteiger insbesondere hinsichtlich der Integrationsaufgabe eine Patenfunktion.

  1. Coolnesstraining: Die Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen haben die Möglichkeit, zusammen mit dem Schulsozialarbeiter ein Sozialtraining durchzuführen. Hierbei geht es darum, die Klassengemeinschaft zu stärken, Probleme zu benennen und diese gemeinsam zu lösen.

  2. Kriminalprävention: In Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Jugendamt Ahlen findet in der Jahrgangsstufe 6 an einem Tag eine Kriminalprävention statt Hierbei gibt es gesonderte Termine für die Jungen und Mädchen einer Klasse.

  3. Müttercafé für Mütter mit türkischem Migrationshintergrund: Einmal wöchentlich – mittwochs von 10.00-11.30 Uhr – findet in der Teestube des Übermittagsbereichs ein Elterncafé statt. Geleitet werden diese Treffen von einer Mutter, die selbst türkeistämmig ist und durch das Kommunale Integrationszentrum Ahlen auf die Aufgabe vorbereitet wurde und weitergebildet wird.

Das Angebot ist offen. Der Teilnehmerkreis ist aber alles in allem konstant.

Die Zahl der Teilnehmerinnen muss aus Platzgründen, soll aber auch aus grundsätzlichen Gründen begrenzt sein: Die Mütter sollen die Teilnahme am Elterncafé quasi als Privileg erkennen und sich geehrt fühlen, dabei sein zu können/dürfen.

Angesprochen werden sollen einerseits Mütter von Schülerinnen und Schülern, die durchaus leistungsstärker sind bzw. sein könnten, andererseits Mütter, denen es nicht gelingt, zu Hause ihren Kindern Strukturen als Voraussetzung für ein erfolgreiches Lernen zu schaffen – aus welchen Gründen auch immer. Die erstgenannten Mütter sollen deutlich überwiegen, um für die anderen eine zusätzliche Motivation zu schaffen, sie für die Arbeit der Schule zu gewinnen.

  1. Klassenlehrerstunden: An der Städt. Sekundarschule Ahlen ist in der Stundentafel eine so genannte „Lions Quest“-Stunde – LQ-Stunde/ Woche aufgenommen, die von den jeweiligen Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern durchgeführt wird. Das englische Wort QUEST bedeutet „Suche“, denn Kinder und Jugendliche sind noch auf der Suche, wie sie sich in unterschiedlichen Situationen verhalten oder zu verschiedenen Inhalten stellen sollen, wo sie ihren Platz in der Gesellschaft finden. Spezifische Inhalte stehen im Mittelpunkt dieser Klassenlehrerstunden: Stärkung des Selbstvertrauens – Mit Gefühlen umgehen – Die Beziehung zu meinen Freunden – Erwachsen werden.

  2. „Lernstunden“: Unsere Schule ist eine Schule mit „Gebundenem Ganztagsbetrieb“. Entsprechend der schulrechtlichen Vorgaben gibt es keine schriftlichen Hausaufgaben. Das Lernen, Wiederholen, Klären und Vertiefen muss deshalb in der Schule stattfinden. Dazu ist die Lernstunde vorgesehen. In vier Lernstunden haben die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, ihre Aufgaben zu bearbeiten. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden selbstständig, welche Aufgaben sie zu welcher Zeit – i. w. S. als „Wochenplanarbeit“ – erledigen. Jede Lernstunde ist zugleich eine Stunde, in der soziales Lernen stattfindet: Gegenseitige Rücksichtnahme ist unabdingbar. Leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler haben Gelegenheit, ihre leistungsschwächeren Mitschülerinnen und Mitschüler zu unterstützen.

  3. Arbeit im schulischen Umfeld: Mit „Ahlen putz(t) munter“ ruft die Stadt ihre Bürgerinnen und Bürger zur
    Mitarbeit bei der Säuberung und Müllentsorgung im  Wohnumfeld auf. Die Schülerinnen und Schüler des 5. Jahrgangs beteiligen sich seit Gründung der Schule an dieser Aktion und helfen bei der Pflege des schulischen Umfeldes und der Nachbarschaft. Dieses Engagement sensibilisiert die Kinder in ihrer Bereitschaft, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen.

Im Herbst 2015 wurde im Gebäude der ehemaligen Bodelschwingh-Hauptschule Ahlen eine Zentrale Unterbringungseinrichtung – ZUE – für Flüchtlinge errichtet, in der bis zu 500 Flüchtlinge wohnen.

Das Gebäude liegt nahezu in Sichtweite und ist fußläufig durch eine Unterführung gut erreichbar. (So wurde auch die Sporthalle der früheren Bodelschwingh-Hauptschule traditionellerweise von unserer Schule mitgenutzt.)

Bei der Bekanntgabe der Planungen der Stadt Ahlen, an diesem Standort eine ZUE einzurichten, gab es deutliche Vorbehalte in der Öffentlichkeit.

Dementgegen ist es jedoch unser Ziel, unter Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis unserer Schule zu dieser Einrichtung aufzubauen und eine Atmosphäre der Offenheit zu schaffen.